Die Tugenden der Selbstverständlichkeit
Es gibt triftigere Gründe, sich über Theo Angelopoulos‘ „The Dust of Time“ zu ärgern, als den Umstand, dass seine Hauptfigur ein Regisseur ist. Es gibt gewiss auch wichtigere Gründe, sich an Andrzej Wajdas „Tatarak“ zu erfreuen als den Umstand, dass die Entstehung des Films in einer Parallelhandlung erzählt wird und der Regisseur selbst auftritt. Aber es ist ein schöner Grund.
Krystyna Janda ist nicht nur eine Augenweide in diesem Spätwerk, sondern fungiert gleichzeitig als Autorin einer der Vorlagen: In mehreren Monologen erzählt sie davon, wie schwer es die Krankheit und der Krebstod ihres Ehemannes, des Kameramanns Edward Klosinski ihr gemacht haben, mit Wajda an diesem Projekt zu arbeiten. (Falls es noch nicht geschehen sein sollte, müsste eigentlich einmal Jemand eine Studie über das Motiv der Krankheit und den Arztberuf im osteuropäischen Nachkriegsfilm verfassen.) Überaus präzise ist die Rauminszenierung in diesen Monologen, genau im richtigen Moment fallen einem die beiden Mobiltelefone auf, die vor ihrem Bett liegen: als sie erzählt, dass sie den Vertrag für seines nach dem Tod nicht aufgelöst hat und ihn noch immer gelegentlich anruft. Die Betroffenheit, die bei Angelopoulos ständig mühsam erspielt wird und sich deshalb nicht mitteilen will, ist hier einer heilsamen Nüchternheit anvertraut. Sie könnte auch Fiktion sein; Janda und ihrem Regisseur liegt es fern, uns zu nötigen.
Statt eines Künstlerpathos‘ lassen sie uns teilhaben an der Gründlichkeit und Sorgfalt ihrer Arbeit. Sich selbst nur im Anschnitt und mit besorgtem Blick bei Drehpausen zu zeigen, besitzt viel Witz, entbehrt aber jeder eitlen Ironie. Eingangs habe ich bewusst von einem Spätwerk gesprochen. Es besitz ähnlich konventionelle Tugenden wie „Katyn“: eine vielleicht nie verlorene Selbstverständlichkeit des Erzählens, ein ungebrochenes Vertrauen in die Evidenz von Bildern. Ich fand es fast immer verwerflich, wenn Filmemacher vom Filmemachen erzählen – zu bequem, zu denkfaul, zu hermetisch, zu überheblich. Aber bei Wajda ist es wie eine Einladung zur Teilhabe.
Krystyna Janda ist nicht nur eine Augenweide in diesem Spätwerk, sondern fungiert gleichzeitig als Autorin einer der Vorlagen: In mehreren Monologen erzählt sie davon, wie schwer es die Krankheit und der Krebstod ihres Ehemannes, des Kameramanns Edward Klosinski ihr gemacht haben, mit Wajda an diesem Projekt zu arbeiten. (Falls es noch nicht geschehen sein sollte, müsste eigentlich einmal Jemand eine Studie über das Motiv der Krankheit und den Arztberuf im osteuropäischen Nachkriegsfilm verfassen.) Überaus präzise ist die Rauminszenierung in diesen Monologen, genau im richtigen Moment fallen einem die beiden Mobiltelefone auf, die vor ihrem Bett liegen: als sie erzählt, dass sie den Vertrag für seines nach dem Tod nicht aufgelöst hat und ihn noch immer gelegentlich anruft. Die Betroffenheit, die bei Angelopoulos ständig mühsam erspielt wird und sich deshalb nicht mitteilen will, ist hier einer heilsamen Nüchternheit anvertraut. Sie könnte auch Fiktion sein; Janda und ihrem Regisseur liegt es fern, uns zu nötigen.
Statt eines Künstlerpathos‘ lassen sie uns teilhaben an der Gründlichkeit und Sorgfalt ihrer Arbeit. Sich selbst nur im Anschnitt und mit besorgtem Blick bei Drehpausen zu zeigen, besitzt viel Witz, entbehrt aber jeder eitlen Ironie. Eingangs habe ich bewusst von einem Spätwerk gesprochen. Es besitz ähnlich konventionelle Tugenden wie „Katyn“: eine vielleicht nie verlorene Selbstverständlichkeit des Erzählens, ein ungebrochenes Vertrauen in die Evidenz von Bildern. Ich fand es fast immer verwerflich, wenn Filmemacher vom Filmemachen erzählen – zu bequem, zu denkfaul, zu hermetisch, zu überheblich. Aber bei Wajda ist es wie eine Einladung zur Teilhabe.
midding - 13. Feb, 01:05