Kalenderblatt
Man hätte angemessen hinein feiern können in seinen Geburtstag, mit seinem kurioserweise berühmtesten Film: „Cleopatra“ lief gestern Abend um 20 Uhr in der 70-mm-Retro. Er dauert etwas über vier Stunden, und am Ende wäre man womöglich in der genau der richtigen, festlichen Stimmung gewesen, um zu feiern, dass heute vor 100 Jahren Joseph L. Mankiewicz geboren wurde. Seinen allerersten Job trat er als Korrespondent des „Chicago Tribune“ in Berlin an; 1983 kehrte er als Mitglied der Internationalen Jury zurück.
Er hat in Hollywood Anfang der 30er Jahre als Autor angefangen (und sollte es auch als Produzent und Regisseur bleiben), hat Filme von Fritz Lang und John M. Stahl produziert und dann nach dem Krieg bei 20th Century sein Regiedebüt gegeben. Mit Filmen wie „A Letter to three wives“, „All about Eve“ und „The Barefoot Contessa“ wurde er zum Inbegriff dessen, was sich Hollywood unter einem Intellektuellen vorstellt: Ein smarter und oft geistreicher Dialogautor, der blitzgescheit amerikanische Sitten kommentierte; mit einer Eleganz, die sich bisweilen etwas zu sehr selbst genügte. Wir Kritiker verdanken ihm die schönste, arroganteste Vergewisserung unserer eigenen Bedeutung. In „All about Eve“ lässt er den Theaterrezensenten Addison de Witt einmal sagen: „My native habitat is the theatre. In it I toil not; neither do I spin. I am a critic and commentator. I am essential to the theatre.”
Es gebrach ihm nie an Selbstbewusstsein. Die Filme, die er nach seiner Zeit bei der Fox realisierte, demonstrieren oft genug, wie sehr ihm die Studiodisziplin genutzt hatte. Gern hätte man sich gewünscht, dass Darryl F. Zanuck mit manchen von ihnen noch einmal in den Schneideraum gegangen wäre. So ergeht es mir auch mit vielen Wettbewerbsbeiträgen. Zwar bin ich froh, dass Bertrand Tavernier hier seinen Director’s Cut von „In the Electric Mist“ präsentieren konnte, und nicht die verstümmelte Fassung, die sein US-Produzent in Nordamerika vertreibt. Aber seit dem Wochenende erfüllt es mich mit tiefer Skepsis, wenn ein Film eine Länge von über 110 Minuten hat. Bei manchen kann ich präzise benennen, wo man die Schere ansetzen könnte: „The Messenger“ hätte nur gewonnen, wenn er auf die Verlobungsfeier und den Monolog über den Kampfeinsatz im Irak verzichtet hätte, bei „Mammoth“ hätte ich mir gern die ersten 120 Minuten erspart. Bei „About Elly“ und „Alle Anderen“ hingegen beschleicht einen ein eher vages Gefühl, dass sie zehn oder 15 Minuten zu lang sind; es hat viel mit der Konstruktion des Alltäglichen und Gewöhnlichen zu tun. Gern hätte ich überprüft, ob Cleopatra“ jede seiner 248 Minuten braucht, aber dann gerieten andere Termine dazwischen. Eine geschätzte Kollegin versicherte mir heute morgen, für sie sei es der Höhepunkt der Berlinale gewesen.
Er hat in Hollywood Anfang der 30er Jahre als Autor angefangen (und sollte es auch als Produzent und Regisseur bleiben), hat Filme von Fritz Lang und John M. Stahl produziert und dann nach dem Krieg bei 20th Century sein Regiedebüt gegeben. Mit Filmen wie „A Letter to three wives“, „All about Eve“ und „The Barefoot Contessa“ wurde er zum Inbegriff dessen, was sich Hollywood unter einem Intellektuellen vorstellt: Ein smarter und oft geistreicher Dialogautor, der blitzgescheit amerikanische Sitten kommentierte; mit einer Eleganz, die sich bisweilen etwas zu sehr selbst genügte. Wir Kritiker verdanken ihm die schönste, arroganteste Vergewisserung unserer eigenen Bedeutung. In „All about Eve“ lässt er den Theaterrezensenten Addison de Witt einmal sagen: „My native habitat is the theatre. In it I toil not; neither do I spin. I am a critic and commentator. I am essential to the theatre.”
Es gebrach ihm nie an Selbstbewusstsein. Die Filme, die er nach seiner Zeit bei der Fox realisierte, demonstrieren oft genug, wie sehr ihm die Studiodisziplin genutzt hatte. Gern hätte man sich gewünscht, dass Darryl F. Zanuck mit manchen von ihnen noch einmal in den Schneideraum gegangen wäre. So ergeht es mir auch mit vielen Wettbewerbsbeiträgen. Zwar bin ich froh, dass Bertrand Tavernier hier seinen Director’s Cut von „In the Electric Mist“ präsentieren konnte, und nicht die verstümmelte Fassung, die sein US-Produzent in Nordamerika vertreibt. Aber seit dem Wochenende erfüllt es mich mit tiefer Skepsis, wenn ein Film eine Länge von über 110 Minuten hat. Bei manchen kann ich präzise benennen, wo man die Schere ansetzen könnte: „The Messenger“ hätte nur gewonnen, wenn er auf die Verlobungsfeier und den Monolog über den Kampfeinsatz im Irak verzichtet hätte, bei „Mammoth“ hätte ich mir gern die ersten 120 Minuten erspart. Bei „About Elly“ und „Alle Anderen“ hingegen beschleicht einen ein eher vages Gefühl, dass sie zehn oder 15 Minuten zu lang sind; es hat viel mit der Konstruktion des Alltäglichen und Gewöhnlichen zu tun. Gern hätte ich überprüft, ob Cleopatra“ jede seiner 248 Minuten braucht, aber dann gerieten andere Termine dazwischen. Eine geschätzte Kollegin versicherte mir heute morgen, für sie sei es der Höhepunkt der Berlinale gewesen.
midding - 11. Feb, 16:00